Aloha Hawaii

Ich befinde mich in der eigenartigen Situation, einen Menschen davon überzeugen zu müssen, dass Hawaii nicht der beschissenste Ort auf dieser Welt ist, um Urlaub zu machen und durchaus dafür geeignet ist für ein mehrwöchiges Inselhopping, das Sonne, Strand und Abenteuer in geradezu perfekter Symbiose harmonisch vereint.

(Zumindest wenn man den Begriff “Abenteuer” aus einem dem Blickwinkel eines versnobten Phlegmatikers betrachtet, für den Helikopterrundflüge über wabernde Lava bereits der Gipfel des Nervenkitzels sind.) A. möchte aber trotzdem nicht nach Hawaii. A. möchte woanders hin. Ich habe einen Vormittag lang mit R., einem Arbeitskollegen, sämtliche Unique Selling Propositions gebrainstormt, die Hawaii als den perfekten Urlaubsort ausweisen. Zugleich habe ich mir Gedanken gemacht, was A. höchstwahrscheinlich an Einwänden vorbringen würde.
Da mein Kollege bereits dort war, hatten wir schon sehr bald eine überzeugende Sammlung an einwandfreien Argumenten beisammen, die auch A. nicht einfach wegignorieren konnte. Ich habe für jeden einzelnen von A.’s potenziellen Einwänden – so unwahrscheinlich sie auch sein würden – ein geniales Gegenargument:

  • “Auf Hawaii gibt es nichts als einsame, menschenleere Sandstrände, an denen man nicht einmal tot überm Zaun hängen wollen würde.” Stimmt nicht. Nimm Waikiki Beach! Da kannst du den ganzen Tag Körper an Körper ganz eng mit anderen Menschen liegen. Fremden Menschen! Wie geil ist das denn?! Vonwegen also einsam. Solange du Waikiki Beach nicht verlässt, kannst du dich zwei, drei Wochen wie in der Posh-Variante von Bibione fühlen. Nur ohne Wiener. (Okay, letzteres lasse ich in der Argumentation lieber weg. Unter Wienern zu wandeln ist für uns nämlich schon ein wichtiges Urlaubskriterium.)
  • “Auf Hawaii ist es fad, weil es dort keine Gelegenheit gibt, schnell und unkompliziert viel Geld auszugeben.” Stimmt nicht. Geht man nach R.’s Erzählungen, ist Waikiki sogar das neue Las Vegas und ein wahres Eldorado für jene UrlauberInnen, die ihr Geld gerne unkonventionellen Verwendungszwecken zuführen wollen. Nichts wie rein ins Vergnügen!
  • “Auf Hawaii gibt es nur Fische zu sehen. Und Fische sind fad.” Stimmt nicht! Auf Hawaii gibt es auch Wale und Wale sind bekanntlich Säugetiere. Vonwegen also! Wem es zu öde ist, auf Hawaii Fischen sinnlos beim Schwimmen zusehen zu müssen, kann mit dem Boot raus zum Wale Watching fahren. Natur pur und zugleich eine abenteuerliche Grenzerfahrung. Zumindest für solche Leute, die, wie ich, an Grenzerfahrungen keine besonders hohen Erwartungen stellen.
  • “Auf Hawaii gibt es kein Bier.” Okay, gewisse “Popsongs” kolportieren dies, insofern könnte es wohl stimmen. Aber da man sich auf Hawaii traditionell mit Blumenketten bekleidet, könnte man den dadurch im Koffer frei werdenden Platz durchaus auch mit einer Pallette “Schwechater” füllen und gute österreichische Brauereikultur nach Hawaii exportieren.
  • “Auf Hawaii gibt es keine Polenta.” Wie gesagt, ich habe mich auch auf sehr unwahrscheinliche Argumente perfekt vorbereitet. Ich habe A. noch nie im Leben Polenta essen sehen. Trotzdem könnte der Einwand kommen und genau dann ziehe ich den Poi-Joker! Poi ist, glaubt man meinem Kollegen, eine zähe Masse, die geschmacklich an die Gipsabdruckmasse erinnert, die einem beim Kieferorthopäden an die Zähne gepresst wird. Und genau dieser Geschmack ist es auch, der Poi so wahnsinnig unlecker macht. (Ich hoffe jetzt irgendwie, dass ich dieses Argument nicht brauchen werde, da es mir plötzlich so kontraproduktiv erscheint…)
  • “Hawaii ist eine Insel.” Dieser Einwand wurde tatsächlich schon von A. vorgetragen und ich verstehe ihn nicht. Muss sich Urlaub denn immer auf dem Festland abspielen? Und leben wir nicht eigentlich alle auf einer Insel, weil auch Kontinente von Ozeanen umgeben sind? Und außerdem ist Hawaii nicht eine Insel sondern acht.

Es wird sich zeigen, ob ich mich damit  durchsetzen kann, oder ob möglicherweise A.’s Lieblingsdestination das Rennen macht. Dann kommen die Postkarten aus Nordkorea.

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