Zeitgenossen.

Unterwegs im Park, die Kamera in der Hand. Ein Mann mit Fahrrad sieht mich und fordert ohne Umschweife ein Foto. (Keine Bitte, keine Frage.) Nicht mit meiner, sondern mit seiner eigenen Kamera. Von ihm gäbe es kaum ein Bild, ich solle mal eines von ihm machen, da ich ja am Fotografieren sei. Etwas wirres Zeug, was er da erzählt, aber man will ja nett sein und verständnisvoll seinen Mitmenschen gegenüber, auch den etwas verschrobenen. Er beginnt in seinem Rucksack zu wühlen, kommentiert dies nebenher und zieht eine kleine, einfache Kompaktkamera hervor.
Stellt sich in Position, wartet auf mein Kommando zu lächeln. Die Situation überfordert mich ein wenig. Ich knipse ein paarmal, als seine Frau (?) angetrudelt kommt. Sie will mit aufs Bild, er lässt sie nicht. Er will eins, auf dem er alleine drauf ist. (Ich frage mich, wofür er das braucht.) Dann erkundigt er sich, was denn jetzt so großartig anders sei an Bildern, die ich mit meiner Kamera mache. Es sei am Ende doch das gleiche drauf zu sehen. Mir fehlen ein wenig die Worte und die Zuversicht in die Effizienz, ihm das jetzt zu erklären. Ich schweige lieber. Er ist schon beim nächsten Thema – dem Bauzaun, den er letzte Woche mit dem Seitenschneider durchtrennt hat, damit der Weg frei ist und man nicht außen rum muss. Er habe auch noch einen Bolzenschneider zuhause, den könne er zur Not auch holen. Ich sei wohl nicht oft hier im Park. Ich bin so blöd zu erwidern, doch doch, ich sei öfter hier. Ob ich denn aus S-Ost komme. Noch blöder erkläre ich, aus der Nähe. Wie, aus der Nähe von Ost? Nein, aus Ost. Ja, wo denn genau, er kenne sich aus. Zählt mir mehrere Ortsteile auf. Ich spüre meinen Geduldsfaden streng ziepen und gebe ihm zu verstehen, dass ich nicht gewillt bin, ihm darüber konkret Auskunft zu erteilen. Ja warum denn nicht, das wolle er jetzt doch wissen. Seine Frau wirft ein, er sei zu neugierig (ja, ist er, und noch anderes). Ich setze mich in Bewegung, erkläre, dass ich die Sonne jetzt noch zum Fotografieren nutzen werde. Er lamentiert immer noch.
Ich betrachte nun noch ein Weilchen meine Blümchen. Vielleicht bringt mich das wieder in mein seelisches Gleichgewicht.

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About Zini

Möchtegernschreiberin, Menschen- und Tierfreundin, Politikversteherin, Schwarzseherin/Optimistin/Realistin

2 thoughts on “Zeitgenossen.

    1. Glaub mir, diese Frage habe ich mir auch gestellt. Und vor allem hab ich mich gefragt, warum ich mit dem überhaupt länger als 2 Minuten geredet hab. Und warum ich mehr als ein einziges Foto geknipst hab. Oder warum ich überhaupt eins geknipst hab…

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