Methodenkompetenzen: Querlesen.

Ich hab ein echtes Langeweile-Problem. Einen Text vom Anfang bis zum Ende zu lesen bringt mich zum Gähnen. Meine Augen driften über die ersten Worte eines Textes, flitzen zickzack über den Mittelteil während sich das Hirn einen möglichen Sinn zusammenreimt und beginnen beim letzten Abschnitt mit einigermaßen konzentrierter Datenverarbeitung. Zurück zum Anfang geht’s im Slalom.
Ein Werbetext über Käseaufschnitt gewinnt so an epischer Tiefe, während die Abhandlung übers Münchhausensyndrom in banale Seichtigkeiten abdriftet. Da tun sich neue Welten auf, ja! Da wird der Jahresabschlussbericht des Kegelvereins zum Verschwörungskrimi und aus Rosamunde Pilcher Romanen lassen sich neuartige philosophische Theorien konstruieren. Gedichtinterpretationen in der Schule stellten Lehrer vor ungeahnte Herausforderungen wenn Goethes Erlkönig versuchte, neue Automodelle an den Kunden zu bringen, und mathematische Dreisatzaufgaben präsentierten sich in ganz neuartigen Dimensionen; bis heute berechne ich bei der Frage nach den Kosten für einen dreiviertel Liter Milch den Kollisionskurs der Andromeda-Galaxie mit der Milchstraße.
Schülern und Studenten wird ja heutzutage nahegelegt, Texte „quer” zu lesen. Nur zu, fördert die Kreativität, wirklich! Die Welt ist so verworren, da kommt es auf ein, zwei Querköpfe auch nicht mehr an.

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About Zini

Möchtegernschreiberin, Menschen- und Tierfreundin, Politikversteherin, Schwarzseherin/Optimistin/Realistin

One thought on “Methodenkompetenzen: Querlesen.

  1. Du liest eben assoziativ-konstruierend, anstatt texterfassend-analytisch. Das katapultiert so manchen Text in literarische Sphären, von denen manch andere vergeblich träumen.

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