Zeig mir deinen Musikmix und ich zeige dir deine Schublade

Wenn Spotify mir den Musikmix der Woche schickt, oszilliere ich derzeit regelmäßig zwischen Verstörung und blankem Entsetzen. Und ich kann mir anhand der vorgeschlagenen Titel ungefähr zusammenreimen, was sich Spotify denkt, wer ich bin:

  • Sylvias Mother von Dr. Hook – nein, Spotify, ich bin wider Erwarten keine weinerliche Kittelschürzenträgerin, die sich Vormittags beim Kochen gerne ein bisschen Radio Wien reinzieht und fetzig dazu abschwoft, während sie das Reindl mit Butterschmalz einfettet.
  • Drive von The Cars – nein, ich bin auch keine in den 80ern hängengebliebene, immer ein bisschen zu stark geschminkte und leicht zu Melancholie neigende 50-jährige Sachbearbeiterin  auf dem Finanzamt, die sich die Dauerwelle gerne vor ein Auge kämmt und bei diesem Lied immer und immer wieder den Liebskummer von vor zwanzig Jahren durchleben möchte.
  • Avond von Boudewijn de Groot – Wer ist der Typ und was ist das für eine Sprache? Nein, ich bin auch kein Anhänger von niederländischen Problemliedern und auch nicht von solchen in Afrikaans und anderen Subvarianten des Niederländischen, weil man ein schwermütiges Problemlied, das auf holländisch performt wird, schlicht gar nicht schwermütig nehmen kann.
  • In the Dutch Mountains von den Nits. Warum bloß ich? Nein, ich sitze nicht abends mit meinen Freunden von den Pfadfinderinnen und einem zerfledderten Pfadfinderliederheft zuhause auf dem Fußboden und klampfe Uriah Heep auf der Gitarre nach. Wir klampfen höchstens noch Smoke on the Water.
  • Up Where We Belong von Joe Cocker – nein, ich treibe mich auch nicht allabendlich in verstaubten Tanzlokalen herum, um meine mit 14 gemachte und lange verdrängte Tanzschulerfahrung bei einem Discofox verträumt Revue passieren zu lassen. Auch nicht bei einem Rumba oder Foxtrott.
  • Let the Sun Shine In von The 5th Dimension – ok, nur ein sehr schlechter Mensch würde dieses Lied nicht irgendwie entzückend finden, aber ich kann mir wahrlich aufgrund meiner Suchhistorie nicht erklären, wie dieser Algorithmus auf die Idee kommt…
  • Let Your Love Flow von den Bellamy Brothers – mein Highlight des Musikmixes dieser Woche!  Nein, ich bin keine Verfechterin von Country-Schmonzetten, gehe nur selten zum Square und noch seltener zum Line Dance.

Aber ich muss in der letzten Zeit ein paar richtig krasse Lieder auf Spotify gehört haben, denn völlig aus dem Nichts kommen diese Vorschläge wohl nicht. Echt krass, was ich manchmal so tu.

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3 thoughts on “Zeig mir deinen Musikmix und ich zeige dir deine Schublade

  1. Ich finde, du solltest die Menschheit generell viel öfter an deinen spotify Musikvoschlägen teilhaben lassen. Da kommt man ja auf völlig neue Ideen! Ich jedenfalls muss mich jetzt mal durch die Liste hören…

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