Drohne, wann kommst du geflogen?

Wenn Leute auf der Straße mit dem Fahrrad neben dir anhalten und dich anfeuern, während du ein wenig begeistertes Telefonat mit der Hotline eines Paketzustellers führst, dürftest du dich am Telefon gerade ordentlich aufgeführt haben. Ich bin bei weitem nicht cholerisch, im Gegenteil, eigentlich bin ich eine konfliktscheue Phlegmatin, so suggeriert es mir zumindest täglich mein wenig verzerrtes Selbstbild, wenn ich wieder einmal die Situation, einem ungeliebten Zeitgenossen ordentlich eine zu zentrieren, ungenützt vorbeistreifen lasse, so wie neulich im Flugzeug dem Trottel, der, besessen von der Idee, einen besonders guten Blick auf die Alpen haben zu müssen, meinen gebuchten Sitzplatz okkupierte. Wenn es aber um mein Schlauchboot geht, sehe ich zur Zeit schnell rot!

Schlauchboot? Trottel? Rot? Fahrrad? Hotline? Klatschender Mob auf der Straße? Dreht sie jetzt endgültig durch? Mitnichten. Es ist lediglich der Punkt erreicht, an dem ich mir völlig unironisch die paketzustellende Drohne herbei sehne. Die Drohne, die morgens auf deinem Fensterbrett landet und dir mit einem gewinnenden und unaufdringlichen Robotersmile das Schlauchboot vorbeibringt, das du am Abend zuvor bei einem weltumspannenden Onlineversandimperium bestellt hast. Jene Drohne, die nie ungünstig und ungelegen kommt, weil sie deinen Kalender sowieso in- und auswendig kennt. Die Drohne, die am Fensterbrett geduldig wartet, ob dir die bestellten Turnschuhe passen, um sie direkt wieder mitzunehmen ins weltumspannende Onlineversandimperium, falls sich herausstellt, dass sie drücken oder einfach nur hässlich sind. Die Drohne, die schon mal eine Packung Klopapier dabei hat, wenn sie gerade zufällig des Wegs kommt und sieht, dass deins auszugehen droht, obwohl Feiertag ist, wie zum Beispiel blöderweise heute. Die Drohne, die sich nicht zu fein ist, auch mal drüben beim Hannovermarkt zwei Kilo Rote Rüben oder Kartoffeln zu holen, weil dir gerade danach ist, jedoch nicht danach, rauszugehen, weil gerade deine Lieblingsserie läuft.

Ob das Schlauchboot noch in diesem Jahr idyllisch die Alte Donau entlang schippern wird ist fraglich, solange es in einem sogenannten “Paketshop” mit skurrilen Fantasy-Öffnungszeiten am Arsch der Welt vor sich hingammelt, wo der Paketzusteller es vor einer Woche hinterlegt hat.

Ob die Drohne während ich lebe irgendwann ans Fenster klopft mit nem Twinni, nem neuen Staubsauger oder neuen Schuhen in ihren Händchen ist leider auch nicht gewiss. Und so heißt es wohl weiterhin, “hol’s dir selber”. Und ja: auch der Hotline ist es übrigens scheißegal, ob du ein Schlauchboot hast oder Klopapier oder ein Eis. Die lösen erstmal gemütlich ein Sudoku, während du durchknallst.

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3 thoughts on “Drohne, wann kommst du geflogen?

    1. Ich erinnere mich an gewisse Begebenheiten… zB die große Frage, wie aus rohen Spaghetti essbare Nudeln werden… Daher meine kleine Irritation!

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