Schräge Welt. Oder: aus dem Tagebuch einer Katzensklavin

Wie ich festgestellt habe, ist das Gleichgewicht der Beiträge hier derzeit eher unausgewogen. Also ja, ich geb mir Mühe, aufzuholen.
Beim Überlegen, was ich euch heute nicht alles erzählen könnte, ist mir aufgefallen, dass ich ja noch einen Text in der “Pipeline” habe (das sagt man doch so wenn man hip sein will, nicht?). Den will ich niemandem vorenthalten. Nicht, weil er so saumäßig gut ist sondern weil dieser Abend einfach so dermaßen verkorkst war dass ich immer noch lachen muss beim Erinnern.

Zuerst die Schublade. Seit Jahr und Tag leistet sie treue Dienste, ohne je aus der Rolle oder anderweitig aufgefallen zu sein. Heute ächzt sie einmal kurz und kippt aus ihrer Schiene. Nichts zu machen. Verweigert einfach den Dienst.
Dann fängt die Katze an. Wir kennen ihre Tonarten – von gequältem “ich kotz euch gleich ‘nen Haar-Haufen” über anklagendes “ey ich hab jetzt echt nen Bollenhunger” bis zum “ich kann so lang krakeelen bis ihr endlich aus dem Bett kriecht um mir Gesellschaft zu leisten beim Rumgammeln”. Letztere ist am ausdauerndsten und nervtötendsten. Nun aber ein ganz neues, nie gehörtes Tongefüge – ich schau lieber mal nach worum es geht. Sie steht in merkwürdiger und ebenfalls noch nicht dagewesener Haltung im Flur und klagt. Mir schwant schon wo das Problem liegt – Stunden vorher habe ich ihre Toilette geputzt und das Ding verkehrt herum zum Abtropfen in der Duschwanne liegen lassen, in dem Vorhaben, es in Kürze neu zu befüllen. Zu diesem Zeitpunkt schlummerte gnä’ Frau friedlich auf ihrem derzeit bevorzugten Platz, nämlich im Zimmer ihres angebeteten Herrchens auf ihrem Thron aus Picknickdecken, den sie ebenfalls immer wieder sehr vehement und lautstark einfordert, obwohl es bei Gott genügend andere nette Ecken in der Wohnung für sie gäbe. Und da die Misses seit einiger Zeit so gut wie taub ist lässt sie sich auch durch nichts in ihrem Schläfchen stören. So vergehen also Stunden und die Katzentoilette ist vergessen… bis, ja… Nun steht sie also im Flur und beschwert sich. Schnell fülle ich den letzten Rest des momentan griffbereiten Katzenstreus in die Wanne und stelle das Tier davor. Es überlegt einige Momente und beschließt dann, erst hinterher nachtragend zu sein und jetzt erstmal das Angebot wahrzunehmen. Da der Katzenstreurest aber zu wenig Masse bietet um die geruchsintensiven Hinterlassenschaften angemessen zu verscharren, patscht man mit der Pfote rein und matscht die Stinkbombe an diverse Badfließen sowie auf ein gutes Stück des Weges richtung Wohnzimmer. Dort kriegt das geliebte Herrchen Schreikrämpfe. Frauchen schnappt das eingesaute Tier und hält die kontaminierten Stellen unter den Wasserhahn. Findet das Tier absolut nicht gut und macht gleich weiter mit Wehklagen, Hinterbeinchen und Schwanzspitze inzwischen patschnass, und verzieht sich mit einer Miene aufs Sofa, die Steine erweichen würde. Mit zusammengekniffenen Augen und kauernder Haltung beobachtet sie mich beim räucherstäbchenschwenkenden Abschreiten der Wohnräume, die noch immer von zweifelhaftem Duft erfüllt sind. Nachdem alle Zimmer wieder begehbar sind kümmere ich mich um die Misses. Streiche ihr übers Köpfchen. Hilft nichts. Trage sie auf dem Arm spazieren. Hilft ein wenig. Setze sie bei mir im Zimmer ab, wo ich noch am Schreibtisch arbeiten will. Hier hält sie kurz am Boden inne, um dann, juhuu, ich weiß nicht wie sauber die Pfoten inzwischen sind, zum Sprung anzusetzen und auf dem Bett zu landen… Ach. Von mir aus. Jetzt hat sie sich’s auf einem Handtuch gemütlich gemacht und wartet, bis es wieder Zeit ist zu Randalieren, nämlich dann, wenn sie findet dass wir jetzt ins Bett gehen. Gute Nacht.

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About Zini

Möchtegernschreiberin, Menschen- und Tierfreundin, Politikversteherin, Schwarzseherin/Optimistin/Realistin

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