Moskau, du machst uns fertig, Teil 1/4

image

Dass der Wochenendtrip nach Moskau etwas ganz, ganz besonderes werden sollte, zeichnete sich spätestens bei der Beantragung des Visums ab, einem ganz, ganz besonderen und vor allem langen Kapitel in unserem Leben, an das wir noch eine ganze Weile voller Dankbarkeit (und Hass) zurückblicken werden. 

Am Flughafen in Wien sah zunächst alles aus wie immer. Wir kauften uns ein kleines, belegtes Baguette für 10 €, einen mittelgroßen Verlängerten für 6 € und ein kleines Mineralwasserfläschchen für 5 € und warteten auf unsere Mitreisenden, insgesamt waren wir derer fünf, die ins Lande Oblomows reisten, unserem dritten russischen Hero, gleich nach der halbnackten Figur auf dem Bären und seinem erfolglosen Bruder, dem betrunkenen Taxifahrer, der uns bald nachts durch die Straßen Moskaus kutschieren sollte auf dem Weg zu einer Neujahrsparty im Mai.

Es stellte sich heraus: auf unserem Moskau-Trip war nichts wie sonst. Zehn Erkenntnisse unserer Moskau-Reise werden unser Leben für immer bereichern:

Erkenntnis # 1: Die Moskauer U-Bahn ist ein fieses Psychoexperiment.

U-Bahnfahrten – auch in Ländern, die nicht Österreich sind (und das ist schnell mal ein Land) – fallen normalerweise in die Kategorie “langweilig, nicht erwähnenswert, kennst du eine, kennst du alle”. Man hat sie schon wieder vergessen, noch ehe sich die U-Bahn-Tür hinter einem geschlossen hat. Die Metro in Moskau ließ uns nicht nur an unserem Vestand zweifeln, sie brachte uns auch dazu, allerlei bizarre und weltfremde Theorien zu entwickeln, die selbst für sowjetische Weltverschwörungstheorien zu weit gegangen wären.

Nachdem wir uns insgesamt bei fast jeder unserer U-Bahnfahrten nachhaltig verfuhren oder zumindest den richtigen Ausgang nicht fanden, können wir zumindest folgende Theorien für immer falsifizieren:

1. Es gibt für ein und dieselbe U-Bahn-Station gleich mehrere kyrillische Schreibweisen.
2. Durch ein und dieselbe U-Bahn-Röhre fahren gleich mehrere unterschiedliche Linien. Mal die grüne, mal die braune etc.
3. Weil durch eine U-Bahn-Röhre mehrere U-Bahn-Linien fahren, muss man zur Orientierung auf die kleinen, weißen Schilder an der Windschutzscheibe der U-Bahn-Lok achten.
4. Die U-Bahn biegt während der Fahrt ab und fährt auf einer anderen Linie weiter.

Nichts von alledem ist wahr. Wir sind einfach nur Trottel, die nicht kyrillisch können, in einer Welt, in der alle um uns herum leider kein englisch reden.

Und nebenbei falsifizierten wir dann auf unseren U-Bahnfahrten auch noch die paar folgenden Theorien:

1. Alle U-Bahntüren haben einen Sensor, der verhindert, dass dich die Tür einquetschen kann.
2. Mediale Bilder von teilnahmslos dreinschauenden russischen U-Bahn-Passagieren  mit wasserstoffgebleichter Matte und neonfarbenen Polyesther-Jogginganzügen sind ein bösartiges Klischee, das keinesfalls die Realität wiederspiegelt.
3. Erzählungen von endlosen U-Bahnrolltreppenfahrten zu sowjetischer Marschmusik sind ein bösartiges Klischee von Menschen, die das neue russische Selbstbewusstsein in den Dreck ziehen wollen.
4. Die U-Bahnrolltreppen-Aufseherinnen und -Aufseher, die den ganzen Tag jeweils eine U-Bahnrolltreppe beobachten, haben einen spannenden und abwechslungsreichen Berufsalltag, der ständig neue Herausforderungen für sie bereit hält.

Nachdem alle unserer U-Bahnfahrten in Moskau zum schrägen Schnitzlejagd-Event avancierten, waren wir uns sicher, dass uns in diesem Land nichts mehr aus der (U-)Bahn werfen würde. Noch so ein Punkt, in dem wir uns gründlich irren sollten. Die Tage gehts hier weiter mit Erkenntnis # 2 – “Englisch ist in Russland eine Sprache, die nur von überkandidelten, kranken Freaks und Hotelpersonal gesprochen wird.” Und Erkenntnis # 3 “Besoffene Taxifahrer sind billiger als nüchterne.”

email

One thought on “Moskau, du machst uns fertig, Teil 1/4

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *