Fastenzeit-Endspurt

“Schnitzel, reiß oba die Panier, heit gibts Nudelsuppn”, so stand es einst an der Klotür unseres Lieblings-Studentenlokals in der Salzburger Bergstraße geschrieben und bis gestern hatte ich den Sinn dieses schönen Kalenderblattsprüchleins nicht kapiert. 

Falls ihr plant, demnächst mal ein gepflegtes Schnitzel in jenem weltberühmtem Wiener Schnitzelrestaurant in der Wollzeile zu essen, so lasst euch gesagt sein, dass ein Snickers, eine Nussschnecke aus der Kantine, ein Fischbrötchen mit Ei, ein Nougatkrapfen und eine Portion Bratkartoffel vom Maronimann nicht die Dinge sind, die dein zarter kleiner Magen zwei Stunden vor Verzehr der pizzagroßen Schnitzelscheibe noch braucht. Es sei denn deine falsch interpretierten Cholesterinwerte zwingen dich zur Annahme, dass eine Extraportion LDL bei deiner Topkondition niemals schaden kann. So habe ich ein weiteres Kapitel aus der Reihe “Tourist in Vienna forever” damit verbracht, ein Schnitzel von der Größe eines kleinen Autoreifens in fischstäbchengroße Streifen zu schneiden und diese dann über einen Zeitraum von einigen Stunden unter Schweißausbrüchen in einquadratzentimetergroßen Häppchen zwischen Snickers und Fischbrot noch irgendwo unterzubringen. Langsam essen soll ja gesund sein. Den Rest des Schnitzels haben wir uns einpacken lassen und werden wohl noch Tage zum Frühstück, Mittag und Abendessen etwas davon haben.

Meinem alljährlichen Plan, mich von Diäten und Fastenkuren fernzuhalten, bin ich damit wieder ein ganzes Stück näher gekommen. Ich verstehe ja immer dieses osterbedingte Pseudofasten nicht ganz. In religiöser Hinsicht völlig unverdächtige Menschen verzichten plötzlich auf sinnlose Dinge wie Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten und machen einen auf Entschlackung und Verzicht. Fragst du sie, warum sie das tun, kommen immer irgendwelche diffusen Begründungen, wie “ich mach das für mich”. Ich persönlich finde das immer ein bisschen niedlich. Dein Körper wird dir den Mittelfinger zeigen ob deines Vorhabens, die Giftstoffzufuhr für 30 Tage im Jahr zu unterbrechen, um dich den Rest des Jahres wieder völlig unverantwortlich (siehe oben) der Völlerei hinzugeben. Auch der Bettler auf der Brücke, an dem du jeden Tag mit halb schlechten Gewissen vorbeigehst, wird sich darüber bedanken, dass du ausnahmsweise mal wieder was für dich getan hast, wie all die 335 anderen Tage im Jahr auch. Schnitzl, reiß oba die Panier, heit gibts Nudelsuppn. Aber wenn dann bitte Nudelsuppe für alle und nicht schon wieder für dich, Fasten-Hero.

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