Navigationsorakel on tour

Ich liebe es, als Fahrgast in Wien von Taxifahrern nach dem Weg gefragt zu werden. Anscheinend sind sich manche nicht zu fein, trotz funktionierendem Navi eine Nicht-Wienerin nach dem Weg zu fragen, die schon auf dem Weg zum nächsten Metzger Google Maps aktivieren muss, um nicht für immer zu verschellen, und einfach nicht aufzuhören nachzubohren, obwohl allein die Aussage “ich weiß es nicht, ich weiß nicht mal in welchem Stadtteil das ist” keinen Spielraum für Interpretationen lässt. Offenbar wirke ich aber trotz meiner verwirrten Vermutungen und vagen Andeutungen kompetent genug, dass die Taxifahrer lieber mich fragen, als endlich das GPS einzuschalten.
“In die Lindengasse bitte.”
“Kann man da von der Neubaugasse aus rein fahren?”
“Ich weiß nicht, wo die Neubaugasse genau lang geht. Womöglich kann man das schon, vielleicht aber auch nicht.”
“Oder sollen wir über die Zieglergasse fahren?”
“Ich weiß nicht. Schon möglich. Wo ist die Zieglergasse genau? Ist das überhaupt im Siebten?”
“Ja, ich glaube schon.”
“Ich weiß nur, dass irgendwo in der Nähe die Mariahilferstraße ist.”
“Ja, aber da dürfen wir nicht rein fahren, da ist doch jetzt Fahrverbot.”
Keine Ahnung! Machst du jetzt endlich das Navi an oder sollen wir an der nächsten Tankstelle nach dem Weg fragen? Du sprichst hier immerhin mit einer Person, die mehrere Monate jeden Tag drei Straßenbahnstationen gefahren ist, nur um in eine Straße zu gelangen, die drei Minuten zu Fuß entfernt war. Das stellte sich leider zu spät heraus. Aber wäre ich dieselbe Strecke monatelang mit einem Taxi gefahren, wüsste ich das heute noch nicht.

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