Ein weinerlicher Schwank aus einem fernen FCKW-Delirium

Seit ich vor Kurzem beim Friseur war schaue ich aus, als wäre ich rückwärts durch einen Gartenzaun gerobbt. Kurz, ich hatte schon mal bessere Haarschnitte. Aber was mich versöhnt: ich hatte wenigstens eine gesprächige und sympathische Friseurin. Wie früher. Kann sich noch wer an diese kaugummikauenden Sprechmaschinen aus den 80ern erinnern mit Frisuren wie aus Flash Dance, die dir noch richtige Unterhaltungen aufgedrängt haben und nicht mehr aufgehört haben zu erzählen bis du mit deinem nagelneuen Vokuhila am Horizont verschwunden warst? So eine.

Ich gebe es ja zu, ich vermisse diese Sorte Friesenschneiderinnen und -schneider, zumal sie scheinbar auszusterben droht. Was sich vor fünfundzwanzig Jahren noch völlig unprätentiös “Gertruds Frisurenstübchen” nannte, hat jetzt diese pseudohippen Wortspielbezeichnungen mit “Haar-” im Namen bei denen ich immer ein bisschen brechen muss, weil ich mir vorstelle, wie sich irgendeine Kreativagentur, die sich mit Kommunikationslösungen beschäftigt, in roten Karottenhosen und okkafarbigen Jackets brainstormend vor einer Flipchart versammelt hat und alle Wörter der Welt sammelt, in denen der Buchstabe “H” vorkommt, nur um diesen dann anschließend mit “Haar” substituieren zu können.

Und nebenbei: wo sind eigentlich die Boulevardblättchen mit den Königinnengeschichten hin voll mit schlechten Layouts und erfundenen Skandalen, die gleichzeitig als Frisurenvorlage herhalten mussten (“Möchtest du eher so aussehen wie Königin Silvia oder eher so wie Camilla Parker Bowles?” “Kann ich auch so aussehen wie Madonna?” “Hmm, mal überlegen, okay!”), nur um anschließend auszusehen wie irgendeine Nebendarstellerin aus Flash Dance?!

Gehe ich nächtes Mal wieder zu dieser Friseurin? Nun ja, Haare wachsen nach.

email

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *