Wien, nicht nur du allein!

Als ich vor drei Jahren nach Wien gezogen bin, dachte ich zunächst, es würde ewig dauern, bis ich mich harmonisch in das fremde, großstädtische Surrounding einfügen würde. “Nie werde ich sein wie sie”, dachte ich voll falschem Selbstmitleid und war gleichzeitig ein bisschen stolz darauf. Zwei Wochen später war ich zum ersten Mal mit Hausschuhen im Penny Markt einkaufen.

Ich war zunächst natürlich peinlich berührt, als ich es merkte, noch dazu war Winter und ich hätte sie nicht einmal als Sandalen ausgeben können. Aber ich war froh, dass ich zumindest keinen 100 Prozent-Pollyester-Jogginganzug anhatte, wie viele andere Anwesende.

Der Abstieg vom einigermaßen manierlichen Quasi-Landei zum degeneriert-arroganten, ständig grantelnden Großstadtproll vollzog sich schnell und unkompliziert. Besonders mit lauten Herumschimpfen auf der Straße oder in Geschäften wurde ich schnell warm. Einmal schrieb mir eine Freundin eine SMS mit dem Text, ich solle nicht so grantig drein schauen. Sie war zufällig mit der Straßenbahn an mir vorbeigefahren. Aber es besteht Hoffnung. Als Mensch, der sich schnell heimisch fühlt, bin ich sozusagen die Bitch unter den ‘Zuagroasten’. In knapp einer Woche fliege ich nach Baden-Württemberg, eine weitere Heimat von mir, in der ich mich ebenso schnell wieder assimilieren werde, wie ich es in Wien getan habe. Wer einmal die Werbung für Seitenbacher-Müsli gesehen hat, weiß, was das bedeutet.

Home is where your tongue is. Und 100 Prozent-Polyester-Anzüge sind noch nicht der Tiefpunkt!

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