I love Monaco oder “Ich habe noch nie ein 2qkm großes Dorf mit einer so großen Auswahl an T-Shirts gesehen”

Die monegassische T-Shirt-Souvenierstandfachangestellte am Place d’Armes hatte zunächst das Geschäft ihres Lebens gewittert, als zwei nicht gerade gut getarnte österreichische Touristinnen in den T-Shirt-Shop einfielen, um sofort deren gute Vorsätze, Französisch zu sprechen über Bord zu werfen und stattdessen in bröckeligem Englisch gepaart mit einer Phantasiesprache ein komplizierteres Verkaufsgespräch zu forcieren. Die T-Shirt-Souvenierstandfachangestellte hatte zuvor noch aktiv den Gesprächsbeginn mit der Bemerkung katalysiert, sie hätte “eh alle Größen”. Well, good to know, whatever you want to tell us.

Kundin A (während sie einen sorgfältig gestapelten Poloshirt-Stapel zerrupft): “Haben Sie dieses Poloshirt in einer anderen Farbkombination außer in blau-weiß-rot?”
Kundin B (übertrieben begeistert, möchte den Einkauf schnell hinter sich bringen): “Wieso? Das Shirt sieht doch super aus in blau-weiß-rot!”
Verkäuferin: “Ja, wir haben dasselbe in schwarz-pink-weiß.”
Kundin A: “Ah, nein, das ist mir etwas zu bunt. Haben Sie etwas Einfärbiges?”
Verkäuferin: “Wir haben einfärbige T-Shirts mit andersfarbiger Schrift.”
Reißt eifrig einen Stapel T-Shirts auseinander und zeigt ein paar.
Kundin A: “Hmm, aber da steht überall “Monaco” drauf. Haben Sie andere Aufschriften?”
Verkäuferin: “Ja, wir haben hier auch welche mit ‘I love Monaco’, ‘Monaco forever’ und ‘Monaco Yachtclub’.”
Kundin B (aus dem Off): “Nun ja, ‘I love Monaco’ ist vielleicht etwas zu plakativ, aber das mit ‘Monaco forever’ hat einen ganz originellen Schnitt.”
Kundin A: “Ja, aber es ist KEIN Poloshirt.”
Kundin B: “Haben Sie dasselbe als Poloshirt?”
Verkäuferin: “Nein, aber wir haben hier noch ein paar ganz entzückende Poloshirts vom Grand Prix!”
Zerfetzt einen weiteren Stapel Poloshirts.
Kundin B: “Oh wow, das ist…, was ist das Wort für prollig…?”
Kundin A: “Das ist uns zu pink. Haben Sie etwas mit Ferrari?”
Verkäuferin zeigt erfreut ihre gesamte Ferraricollection.
Verkäuferin (während sie Kundin B, die gar kein T-Shirt möchte, bereits in Gedanken völlig in Ferrari kleidet): “Und wie gesagt, wir haben die T-Shirts in allen Größen!”
Kundin A (flüsternd zu Kundin B): “60 €!”
Kundin A: “Kann ich die anderen T-Shirts noch einmal sehen?”
Verkäuferin zeigt bereitwillig alles noch einmal.
Verkäuferin: “Hier haben wir noch eins in weiß-blau-gestreift.”
Kundin A: “Nein. Zu simpel. Ich glaube wir nehmen das erste, das blau-weiß-rote.”
Verkäuferin strahlt halb erleichtert, halb angepisst.
Kundin B: “Haben Sie das Shirt vielleicht in XS?”
Verkäuferin mustert die Kundinnen irritiert, während sie die gewünschte Größe reicht.
Kundin A: “Nein, das ist immer noch viel zu groß.”
Kundin B: “Ja, das ist VIEL zu groß! Haben Sie das Shirt vielleicht in XXS?”
Die Verkäuferin sendet verständnislose “Wie Bitte? Willkommen in der Wirklichkeit”-Blicke. Als es ans Zahlen geht, hören die Touristinnen die Verkäuferin noch leise etwas murmeln. Gut, dass unser Französisch so mies ist, denken sich die Touristinnen.

Am Abend schauen Kundin A und Kundin B die Wahl zur “Miss France” im TV, weil das die einzige Sendung ist, in der man mitkommt, ohne etwas zu verstehen. Gratulation, Miss Nord-Pas-de-Calais, du warst auch unsere Favoritin. Ach ja, das T-Shirt war für A.’s Mutter.

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