Die Kraftplatz-Fundis radikalisieren sich

Steiermark, du hattest immer schon den esoterischen Knall. Keine Wiese, die nicht ein Kraftplatz ist, kein Wald, der nicht irgendein keltischer Baumkreis ist, keine noch so kleine Lackn, die nicht “thermal” ist und kaa Staa, kaa Blaatl, kaa Kerndl, kaa Grashalm, der nicht auf einem Genusslehrpfad mit allem Sinnen errochen und erfühlt werden kann. Alles im Sinne des Krafttankens. 

Dass man in dieser Wellness-Maschinerie schnell ein wenig sonderbar werden kann ist irgendwie klar. Und vor diesem Background muss wohl auch die Tatsache betrachtet werden, dass ich heute in der Therme mein erstes Bankerl-Tatoo gesehen hab. Ist das der Wahnsinn? Vergiss Knasttatoos, springende Delphine, sinnentleerte chinesische Schriftzeichen und flächendeckenden Harley-Davidson-Kitsch. Der Typ neben mir hatte sich schlicht ein, unter zwei Zypressen rührselig auf Einkehr wartendes Bankerl, auf den Rücken stechen lassen. In bunt. Wenn schon, denn schon. Ist das das neue Rebellentum? Oder hat das Tatoo seine Urgroßmutter gestochen? Egal, wir sind in der Steiermark und daher sag ich jetzt einfach mal, wenn das Bankerl ihm Kraft gibt, warum nicht.

A. und ich sind leider nicht die Richtigen, um das vorurteilslos beurteilen zu können. Kraftplätze, Lebenskreise, Wohlfühloasen und Genussplätze mit hoher Aromadichte kennen wir nur aus Steiermark-Prospekten.

Wir sind ja froh, wenn wir so einigermaßen mithalten können mit der aktuellen Wohlfühl-Community. Heute war ich mit A. in einer steirischen Therme  und das einzige, was wir dabei hatten waren unsere Bikinis und zwei Waschbeckenvorleger aus dem Hotel, die wir für Badetücher gehalten haben. Wir machen so ein bisschen auf Schmalspur-Hedonisten. Fühlen uns aber durchaus sehr wohl dabei.

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