Der Mensch ändert sich. Bleibt aber immer seltsam dabei.

Nie, das hatte ich mir als 14-jährige geschworen, würde ich jemals Hausschuhe mit Tiergesichtern anziehen (so geschmacklos kann ein einzelner Mensch gar nicht sein), eine Martinigans essen (Gansl = arme, arme Masttiere) und nie, aber schon wirklich nie, würde ich anfangen zu golfen (Golfer = degeneriertes Volk von Pensionisten in kasperlesken Outfits). Ich wollte eine Pelzmütze, einen Alfa Spider (aber den aus den 80ern) und ich wollte es schaffen, Krieg und Frieden zu Ende zu lesen (ich war ein seltsames Kind).

Zu Hausschuhen mit Gesichtern wurde an anderer Stelle schon genug geschrieben. Was die anderen No Go’s betrifft: ich hatte die letzten vier Wochen bereits zwei Gansl mit Rotkraut und Knödel und ich hatte heute meine erste Golfstunde, yeah. Was muss man schon großartig können, dachte ich mir, auch wenn man sonst im Sport eine tickende Zeitbombe ist (zweimal Finger beim Volleyball gebrochen, diverse “Hopperlas” beim Speerwurf und bei der rhythmischen Ballgymnastik…). Und selbst wenn du dreierlei verschiedene Karomuster wahllos miteinander kombinierst, wird auf dem Golfplatz niemand an Augenkrebs sterben, denn es ist absolut erwünscht, dreierlei Karomuster verschiedenster Farbnouancen ohne jegliche Logik zu kombinieren und dazu karierte Schirm-Stirnbänder zu tragen, während du relaxt den Schläger durchziehst. Zeig mir den Ort, wo du dich sonst so offen zu Karos bekennen kannst?

Motiviert kaufte ich mir also für drei Euro ein komplettes Golfset am Flohmarkt, spritzte es in der Autowaschanlage notdürftig mit dem Hochdruckreiniger ab, um den gröbsten Kellersiff loszuwerden und fuhr mit meiner Freundin zu einem Golfplatz am Rande der Stadt, den uns eine befreundete Ex-Turniergolferin der englischen Royal Air Force empfohlen hatte, mit dem Ergebnis, das meine Hand seit nunmehr vier Stunden zu einer bizarren Kralle deformiert ist und wir uns zur Platzreife angemeldet haben.

Eine Pelzmütze hab ich bis heute nicht, im Gegenteil: meine Freundin warnte mich eindringlich, nicht jetzt schon wie eine Achtzigjährige rumzulaufen und mir “ein Tier auf den Kopf zu setzen”. Auch Lamm oder Kunstfell sei keine Lösung, denn “man täuscht auch nicht vor, sich ein Tier auf den Kopf zu setzen”.

Zum Alfa Spider Cabrio und den restlichen 1420 Seiten besagten Buches bleibt nur zu sagen: man sollte sich Ambitionen steht’s so hoch stecken, dass sie nie sofort zu 100 Prozent erfüllt sind. Mein lieber Pierre Besuchow, ich habe dich nicht vergessen, ich habe dich lediglich auf Eis gelegt. Nicht nur, weil ich eure Bekanntschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen bis jetzt nicht durchschaue, geschweigedenn weiß, um was es bei euch geht (außer um Krieg und offenbar auch Frieden) sondern weil ich etwas brauche, was ich machen kann, wenn mir fürs Rumstehen am Golfplatz eines Tages die Kraft fehlt.

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