Hommage an die sauerne Suppn

Seit ich denken kann, habe ich ein Lieblingsessen, das es offiziell überhaupt nicht gibt: wir nennen es “saure Suppe” oder, um es liebevoll im Dialekt zu formulieren, “a sauerne Suppn”. Zugegeben, es klingt grauslich.

Und auch wenn man die Zutaten aufzählt – Sauerrahm, Schlagobers, Buttermilch und Erdäpfel klingt es irgendwie unlecker. Auch die Info, dass es eine eher dickflüssige Suppe ist, “die zur Bobern-Bildung neigt”, klingt irgendwie ungustiös. Aber es ist halt keine Yuppiesuppe im Glas serviert, die einen auf Luxusessen macht. Und es ist übrigens auch keine Suppe für Laktoseintolerante, Weightwatcher und Foodblogger – auch keine Food-Fotografen. Und trotzdem ist es das beste Essen der Welt.

Da “a sauerne Suppn” außerhalb unserer Sippe vollkommen unbekannt ist, vermuteten wir lange, dass Oma es sich an einem faden Fernsehabend selbst ausgedacht hat, was dem ganzen natürlich einen geradezu mythischen Touch gab. Wer kann behaupten, dass seine Oma ein Rezept erfunden hat, dass zu 90% aus zusammengepanschten Milchprodukten besteht.

Ich spielte mit dem Gedanken, der sauren Suppe endlich zu ihrem verdienten Ruhm zu verhelfen und das Rätsel um die genaue Rezeptur gewinnträchtig auszuschlachten, in dem ich die Suppe zu einer zweiten Sachertorte, einer zweiten Coke und einem zweiten KFC-Huhn machte, dann das böse Erwachen: ich fand in einer Online-Rezeptesammlung gleich drei artverwandte Rezepte, mit Erdäpfel, ohne Erdäpfel, mit Bobern, ohne Bobern, mit Sauerrahm, ohne Sauerrahm dafür Creme Fraiche, mit H-Milch… Wie bitte, H-Milch?! Erst verwende ich drei Becher Sauerrahm, zwei Becher Schlagobers und zwei Packungen Buttermilch (baba, geheime Rezeptur), um anschließend auf zwei Centiliter H-Milch zu bestehen?  Sorry, Leute. Oma, Grab, rotare – you know what I mean.

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