Traumfänger auf Abwegen

Nennt mich ruhig ignorant, aber warum verkauft jemand am Naschmarkt Traumfänger, wenn es dort sehr viel konkurrenzfähigere Geschäftsideen gibt, wie die Eröffnung des hundertsten Trockenfrüchte- oder Souvenierramschstandls? Ihr habt natürlich recht, ein Produkt mit hohem praktischen Nutzwert verkauft sich auch so, vor allem, wenn die Qualität high end ist und das ist im Falle der Traumfänger jedenfalls stark anzunehmen.

Ok, auch wenn der funktionale Nutzen nicht ganz so dölle wäre, kann man die Dinger immer noch für teuer Geld verkaufen, vorausgesetzt es gibt ein zahlungskräftiges Klientel, das bereit ist, dafür viel Geld auszugeben, weil die Benutzung hohes Prestige in der Peer Group verspricht. Ja ok, angenommen es wäre jetzt ein Produkt, das weder einen besonderen praktischen Nutzen noch Prestige für den User bereithält, dann könnte man zur Not immer noch auf Gier setzen, einem Faktor, der – zum Glück für den Traumfänger – jeder menschlichen Vernunft erhaben ist. Aber dann bräuchte es zumindest noch die eine oder andere Marktschreierfigur, die Dinge sagt wie “kaufen sie diesen Traumfänger, es sind die letzten ihrer Art und sie versprechen Renditepotenzial in der Größenordnung von Palmöl”.

Ok, angenommen, es gäbe an diesem Stand keine derart bewanderte Verkaufskorriphäe, dann könnte man immer noch auf Feder-Fetischisten hoffen. Fetischisten sind immer die letzte Hoffnung derartiger Long-Tail-Produktideen, vorausgesetzt, es handelt sich um besonders anspruchslose, halb schwachsinnige Fetischisten, die nicht nein sagen können und auch sonst ein gröberes Problem haben mit so ziemlich allem.

Und nur für den Fall, dass ihr mal den einen oder anderen Traumfänger bei mir in der Wohnung hängen sehen solltet: das war Mitleid! Jede(r) in meiner Situation hätte genauso gehandelt.

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