Presents of another kind

Geschenke kaufen ist eine jener reizvollen Tätigkeiten, die bei mir im Vorfeld schon Atembeklemmungen und eine nervöse Reizblase auslösen. Als Kind konnte man seine Eltern wenigstens noch mit selbstgemachten kleinen Scheußlichkeiten beglücken. Ein ausschließlich in der Nuance „Fleischfarbe“ gestaltetes Bild, Kartoffeldruck-Tischdecken, Skurrilitäten aus Salzteig und allerlei selbstgemachte Töpferware wurden bei uns bereitwillig der Besucher-Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schon damals war klar, dass wir einmal nichts Handwerkliches machen würden. Mein Bruder bastelte immerhin einmal einen Transgender-Weihnachtsengel aus einer Mohnkapsel, der es geschafft hat, bis heute seinen sicheren Christbaumplatz zu verteidigen. Meine selbstgehäkelte fünfzigteilige Topflappen-Serie, die meine Mutter im Laufe der Jahre zusammen sammeln durfte, habe ich allerdings schon länger nicht mehr gesehen. ​

​Mittlerweile bastle ich zwar nicht mehr, aber leider bin ich beim Kauf von Geschenken mindestens genauso ratlos. Schließlich sollte man sich bei Geschenken ja immer „irgendwas denken“ und mit großer Bedacht auswählen. Ein in Cellophan eingepacktes Deko-Arrangement von der Tanke ist mittlerweile ein beliebter Scheidungsgrund. ​

​Bekannte, die einen nicht leiden können, schenken einem meistens ein Windlicht für den Balkon (egal, ob man einen hat), staubfangenden Kitsch oder eine Kerze. Windlichter, staubfangenden Kitsch und Kerzen kann man schließlich immer brauchen. Aber was schenkt man diesen Menschen zurück? Ich habe vor Kurzem gesehen, dass es jetzt Kurse zum Steinebemalen gibt. So quasi als Revanche für originelle Geschenkideen. Schon allein zu wissen, was das für Leute sind, die zum Bemalen eines Steins mit Wasserfarben einen Kurs nötig haben, war für mich Grund genug, mich schnellstmöglich auch dafür einzuschreiben. Ich war schockiert, dass ich gleich fünf Leute von der Uni kannte, die sich jetzt ihrerseits denken, ich hätte den Kurs aus ernsthaftem Interesse besucht. Einer von den Fünfen erzählte mir, er würde gerade versuchen, sich mit Steinebemalen ein zweites Standbein aufzubauen, da er bei der Taxi-Führerschein-Prüfung wohl einen Blackout hatte. Ich hingegen flog schon nach der zweiten Lektion raus, weil ich ein Mandala-Bild ausschließlich in der Nuance “Fleischfarbe” gestaltete.

​Es wäre so schön gewesen. Die strahlenden Gesichter beim Anblick der liebevoll bemalten Steine, die einen für immer daran erinnern sollten, dass Windlichter, Kerzen und staubfangender Kitsch auch nicht unbedingt die Geschenke sind, von denen man nachts träumt. Dann vielleicht noch fertig eingepackt in Cellophan. Von der Tanke. Das sagt ja wohl alles. Und ich dachte immer, wir wären Freunde.​

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