Schlaflos in Südtirol

Dass Schlaflose nicht gerade als werberelevante Zielgruppe gelten, erkennt man nur zu gut an einem äußerst fragwürdigen Werbeumfeld und nicht zuletzt an der Werbung selbst. Wieso wird eigentlich davon ausgegangen, dass alle, die nachts nicht schlafen können, dringend einen Partner suchen oder zumindest jemanden zur körperlichen Betätigung unter telefonischer Anleitung? Vielleicht möchten auch die Schlaflosen unter uns einfach nur wissen, mit was man am besten hartnäckigen Dreck entfernt.​So wartet der schlaflos Fernsehende inmitten von Dschungelcamp-Wiederholungen und Shows, in denen Fantasy-Begriffe mit dem Buchstaben „Y“ mittels Mehrwert-Telefonnummer abgefragt werden, geduldig auf die Space Night, deren Songabfolge man allerdings auch bereits auswendig kennt. Schließlich bleibt dem Schlaflosen nichts anderes übrig als zwangsläufig Fan von „Die schönsten Bahnstrecken Europas“ zu werden. Allerdings ist das kein Programm für Zartbeseidete, die auf der Fahrt in den Urlaub schon an der ersten Raststätte brechen müssen.

​Hat man das Glück, die Monotonie und Trivialität des Fernsehprogramms effektiv zum Einschlafen nutzen zu können, wacht man spätestens zu den gar zauberhaften Melodeien des ORF-Wetterpanoramas wieder auf – natürlich nicht, ohne das alpenländische Zitter-Geschräddel zuvor in seine schlimmsten Psycho-Alpträume eingebaut zu haben. Hoffentlich, so denkt sich der Schlaflose, fährt der Zug morgen nicht wieder durch Südtirol. Nichts gegen Südtirol, aber selbst „Die schönsten Bahnstrecken Europas“ sind irgendwann fad.

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