Monthly Archives: August 2014

Presents of another kind

Geschenke kaufen ist eine jener reizvollen Tätigkeiten, die bei mir im Vorfeld schon Atembeklemmungen und eine nervöse Reizblase auslösen. Als Kind konnte man seine Eltern wenigstens noch mit selbstgemachten kleinen Scheußlichkeiten beglücken. Ein ausschließlich in der Nuance „Fleischfarbe“ gestaltetes Bild, Kartoffeldruck-Tischdecken, Skurrilitäten aus Salzteig und allerlei selbstgemachte Töpferware wurden bei uns bereitwillig der Besucher-Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schon damals war klar, dass wir einmal nichts Handwerkliches machen würden. Continue reading Presents of another kind

Nur ein weiterer Yoga-Baum

Zilli war, was Musik betraf, mehr als einfach gestrickt. Ihr gefielen nie mehrere Lieder gleichzeitig. Vielmehr hatte sie über einen längeren Zeitraum ein einziges Lied, das sie tagein, tagaus hörte, bis sie irgendwann so übersättigt davon war, dass allein das Intro einen Brechreiz in ihr auslöste. Zilli war an ihre Situation gewöhnt und wäre nie in Versuchung gekommen, sich auf Youtube oder gar im Radio anderweitig zu orientieren, ohne ihr derzeitiges Lieblingslied noch nicht vollkommen satt zu haben, doch etwas war diesmal anders als sonst. Zilli ging mit „Lemon Tree“ bereits ins fünfzehnte Jahr und bekam mittlerweile Drohanrufe von ihren Nachbarn, ihres Zeichens mehr als tolerante Mitmenschen: eine Yoga-Sekte, wie Zilli vermutete. Continue reading Nur ein weiterer Yoga-Baum

Endstation Hütteldorf

Einmal fuhr ich mit meinem Vater und meinem Bruder von Wels nach Hütteldorf, ohne dass wir auf der etwa eineinhalbstündigen Zugfahrt auch nur ein einziges Wort miteinander wechselten. Nicht unbedingt der Tatsache geschuldet, dass wir alle extrem mundfaul wären oder etwa gestritten hätten, sondern weil neben uns im Großraumabteil eine junge Amerikanerin ihre Familientragödie in allen Einzelheiten breittrat. Zwar am Telefon und auf englisch, aber das schmälerte die Spannung keine Sekunde. Am anderen Ende der Leitung: her Grandma. Wie die Amerikanerin hieß, werden wir leider nie erfahren, nennen wir sie einfach Jenny. Continue reading Endstation Hütteldorf

Schlaflos in Südtirol

Dass Schlaflose nicht gerade als werberelevante Zielgruppe gelten, erkennt man nur zu gut an einem äußerst fragwürdigen Werbeumfeld und nicht zuletzt an der Werbung selbst. Wieso wird eigentlich davon ausgegangen, dass alle, die nachts nicht schlafen können, dringend einen Partner suchen oder zumindest jemanden zur körperlichen Betätigung unter telefonischer Anleitung? Vielleicht möchten auch die Schlaflosen unter uns einfach nur wissen, mit was man am besten hartnäckigen Dreck entfernt. Continue reading Schlaflos in Südtirol

Elviras Rückkehr

Was Elvira von herkömmlichen Hypochondern fundamental unterschied, war ihre durchaus selbstreflexive Wesensart. Nicht nur reflektierte sie jedes Drücken, Stechen, Zwicken, sondern auch jeden damit einhergehenden Gedanken, was das wohl zu bedeuten hatte. Vielleicht, eventuell, möglicherweise könnten die Leute ja doch Recht haben, die immer behaupteten, dass Simulanten in Wirklichkeit die gesündesten Menschen überhaupt waren. Von diesem Standpunkt aus betrachtet war es geradezu fahrlässig, sich nicht alle Krankheiten der ganzen Welt einzubilden. ​

​Dennoch ging sich Elvira durchaus selbst damit auf die Nerven, bei jeder unüblichen Körperregung Google zu konsultieren. Continue reading Elviras Rückkehr